Das Kloster Ilfeld
Von der Klosterschule Ilfeld bis zur Neanderklinik Harzwald GmbH
Das
Kloster Ilfeld wurde im Jahre 1189 durch Graf Elger II. von Ilfeld-Hohnstein
in Gemeinschaft mit seiner Frau Lutrude gestiftet und mit einigen Gütern
ausgestattet. Ein Jahr später trafen die ersten Mönche aus dem Prämonstratenserkloster
Pöhlde bei Herzberg am Harz in Ilfeld ein und hatten somit den Vorzug gegenüber
den Mönchen der Zisterzienserabtei Walkenried erhalten.
Durch eine Urkunde vom 16.11.1190, ausgestellt in Saalfeld, wurde die Stiftung
von König Heinrich VI. bestätigt. Nach einer Umgestaltung wurde das
Kloster 1246 eine Prämonstratenserabtei. Die Ilfelder Mönche wählten
ihre eigenen Äbte, die der Erzbischof von Mainz bestätigte. Allmählich
konnte das Kloster seinen Besitz ausdehnen und war im 13. bis 15. Jahrhundert
wirtschaftlich erstarkt.
In diese Zeit fällt auch die Gründung eines selbständigen Fleckens
Ilfeld am 17. September 1385. Am 25. April 1423 wurde vom Abt Heinrich und seinem
Convent in der „Einunge“ eine neue Dorfordnung für den Ort
Ilfeld erlassen.
Anfang Mai 1525 wurde das Kloster von aufständischen Bauern des Stolbergischen
Amtes Hohnstein geplündert und zeitweilig besetzt. Nach der Reformation
gründete Abt Thomas Stange 1546 die evangelische Klosterschule.
Die Klosterschule Ilfeld
Unter
der Leitung von Michael Neander (1525 – 1595) nahm die Klosterschule einen
bedeutenden Aufschwung. Mit seiner Berufung am 30. Juni 1550 als Lehrer und
späterer Rektor nach Ilfeld erlangte die Schule europäische Berühmtheit.
Er war einer der großen Pädagogen seiner Zeit und seine Schulreformen
galten als beispielhaft.
Die Einrichtungen der Klosterschule im Jahre 1602
Am
8. Oktober 1602 gingen alle Rechte und Pflichten der alten Äbte auf Neanders
Nachfolger Johann Cajus über. Diese Verpflichtung war die Veranlassung,
dass im November 1602 ein Inventar über das bewegliche Eigentum des Klosters
Ilfeld aufgenommen wurde. Um die Rechtsgültigkeit des Inventars zu sichern,
war der kaiserliche Notar, Andreas Crahmer Sesanus aus Nordhausen, im Auftrage
Herzogs Heinrich Julius von Braunschweig mit seiner Abfassung beauftragt worden.
Als Zeugen dienten die Ilfelder Bürger und Vormünder. Dies waren Blasius
Helwig, Hans Preuss, Elias Syemon und Hans Knaubloch.
Daraufhin wurden alle Einrichtungen des Klosters, die Schäferei am Espenberge,
der Ilfelder Hof in Nordhausen , die Stiftsgüter Hohenebra und Kirchengel
sowie die Vorwerke Königerode und Birkenmoor von der Kommission eingehend
überprüft und ein Verzeichnis darüber angelegt.
Zum Schutz der Klosterschule befand sich eine 1,60 m hohe Mauer, die sich um
die gesamte Anlage hinzog. Die Fahrstraße, die heutige B4, talaufwärts
führte noch nicht durch das Kloster selbst. Sie führte über den
heutigen Goetheweg am Fuß des Mühlberges entlang. Der Gutshof befand
sich in nächster Nähe der Schule und gehörte zu dessen Baulichkeiten.
Der Haupteingang befand sich an der Südseite und war mit einem Torturm,
dem so genannten Seigerturm, überbaut. Links von diesem Turm lag die Pfarre,
rechts die Fleckenskirche zum Heiligen Georg.
Ziemlich an derselben Stelle, wo jetzt die Neanderklinik Harzwald steht, stand
der geschlossene Gebäudekomplex des alten Klosters und die Klosterkirche
in der Nähe des Nordwestflügels. Um den geräumigen Innenhof gruppierten
sich ein Wirtschaftsgebäude, die Abtei mit den Kreuzgängen, das Refektorium
sowie ein Gebäude für die Schule mit einer Bibliothek. Schüler
und Lehrer wohnten im Kloster.
In der Nähe der Hauptgebäude befanden sich einige Wohnhäuser,
Arbeitshäuser und die Klosterküche. Außerdem waren noch Stallanlagen
sowie Obst- und Gemüsegärten vorhanden. Ebenfalls zur Schule gehörten
ein Teich (die Tränke) und eine Fischaufzuchtstation. Die meisten mit Schiefer
gedeckten Gebäude waren hochgiebelig mit aufgesetztem Fachwerk und mehreren
Böden.
Die Zahl der Schüler schwankte zwischen 25 und 32. Sie wohnten in den alten
Mönchszellen, schliefen aber dann in einem besonderen Flügel, der
1610 als Schlafhaus bezeichnet wurde.
Hauptbedingung
für die Aufnahme in die Klosterschule waren besondere Kenntnisse in der
lateinischen Sprache. Außer Latein und Griechisch wurde genügend
Wissen in Religion, Logik, Rhetorik, Arithmetik und Musik verlangt. In dem Unterricht
waren Vortrags- und Repetitionsstunden zu unterscheiden. Für jeden Tag
der Woche waren bestimmte Abschnitte aus der Dialektik, Rhetorik und Grammatik
auswendig zu lernen. Musik wurde eifrig betrieben.
Der Speisezettel sah so aus: Früh gab es Grießsuppe, mittags Fleisch
– sehr oft gepökelt oder geräuchert – abwechselnd mit
Fischen. Die katholischen Festtage wurden im Kloster streng beachtet, zum Beispiel
gab es mittags stets Fischgerichte und abends Suppen mit Brot, Käse und
Butter. Mittags wurde auch Bier ausgeschenkt.
Die Klosterschule im 18. Jahrhundert
Im 30jährigen Krieg kam der Schulbetrieb oft zum Erliegen. 1629 zogen
Prämonstratensermönche unter Abt Nihusius wieder in das Kloster Ilfeld
ein. Nach dem Siege König Gustav Adolfs von Schweden bei Leipzig (7. September
1631) ergriff der Abt mit seinem Convent die Flucht. Der Plan von Minister Freiherr
von Münchhausen, die Einkünfte des Stiftes Ilfeld im Jahre 1747 für
die Universität Göttingen zu verlegen, kam nicht zur Ausführung.
Ein geplanter Bibliotheksbau für das Pädagogium wurde 1780 nicht verwirklicht.
Der jetzt älteste Teil der Klinik, der Nordostflügel, wurde 1829 errichtet.
Der Um- und Neubau der Klosterschule von 1859 bis 1884
Direktor
Wiedasch hatte 1845 bei der vorgesetzten Behörde in Hannover beantragt,
dass bald mit einem notwendigen Neubau der Schule angefangen werde. Im Juni
1859 ist von dem Direktor der Klosterkammer von Wangenheim der Landbauinspektor
Prael mit der Leitung des Neubaus und dessen sofortiger Ausführung beauftragt
worden.
Die Klosterkirche und der alte Nordwestflügel wurden 1859 abgetragen.
Am 28. Oktober 1861 ist der neue Nordwestflügel übergeben worden.
In dieser Abteilung entstanden Räume für zwei Auditorien, Wohnungen
für Schüler und vorübergehend ein Billard- und Conversationszimmer.
1862 erfolgte der Abriss der Rektorwohnung und der alten Speiseküche.
Nach dreijähriger Bauzeit war das Südportal, der neue Südostflügel
mit der neuen Speiseküche und einer Wohnung für den Musikdirektor
fertiggestellt. Das 1720 erbaute Amtshaus wurde 1866 neuer Sitz des Amtsgerichtes
Hohnstein aus Neustadt am Südharz. 1865 erbaute man ein Lehrerwohnhaus
und 1729 den Seigerturm der Klosterschule – in der Nähe der heutigen
St. Georg-Marien-Kirche. Der Grundstein für ein neues Verwaltungsgebäude
für den Kreis Ilfeld wurde gelegt. Im Jahr 1866 erfolgte die Anlegung einer
neuen Fahrstraße (B4)durch den Klosterbezirk. 1884 war Amtshauptmann von
Fumetti Landrat des neuen Kreises Ilfeld.
Die feierliche Einweihung einer im neugotischen Stil errichteten Hallenkirche,
von Baurat Hase, fand am 18. Oktober 1868 statt. Eine neue Turnhalle wurde am
23. Oktober 1879 übergeben und am 16. Mai 1876 eine Kaiserliche Telegraphenstation
in Ilfeld eröffnet. Ab dem 23. Oktober 1880 brach man weitere alte Gebäude
ab. Der Neubau des Südwest- und Querflügels war im Oktober 1883 abgeschlossen.
Die Zöglinge des Klosters erhielten am 8. September 1883 ein neuerbautes
Kranken- und Badehaus. Der Neubau der Schule war am 4. Juli 1884 beendet.
Die Klosterschule bis zur Schließung 1933/34
Das 350jährige Bestehen der Klosterschule wurde vom 2. bis 4. Juli 1896
festlich begangen. Im Schuljahr 1903/1904 zählte die Anstalt 13 Lehrer
und 126 Schüler. Darunter gab es für die Zöglinge 22 Freistellen.
In 15 Fächern wurde unterrichtet. Der Unterricht erfolgte in 15 Fächern.
In
den Sommermonaten des Jahres 1909 hat die Firma Kaeferle aus Hannover eine Warmwasser-Sammelheizung
eingebaut. Während des ersten Weltkrieges wurde der Schulbetrieb unter
erschwerten Bedingungen weitergeführt.
Die Leitung der Schule übernahm Ostern 1925 Oberstudienrat Marcus Ites.
Die Einweihung der Krypta als Andachtsraum wurde am 24. April 1926 vollzogen.
Den kirchlichen Charakter des Raumes prätgen die wertvollen farbigen Glasfenster
und der schöne chorartige Innenraum der Krypta.
Der romanische Taufstein, die Altarplatte und die Ewige Lampe (im Garten) haben
ihren Platz in der Kapelle gefunden. 1932 hat Walter Brandt die Ilfelder Regesten
von Dr. Carl Köhler herausgegeben.
Nach der Machtübernahme der NSDAP 1933 im Deutschen Reich wurde die Klosterschule
Ilfeld Ostern 1934 in eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt (NAPOLA) umgewandelt.
In den ersten Jahren der NAPOLA erfuhr der Schulbetrieb sichtbare Veränderungen.
Eine neue Leitung trat an die Stelle ihrer Vorgänger. Alte Sitten und Bräuche
wurden allmählich abgebaut und neue Formen des Internatslebens eingeführt.
Lehrer und Schüler bekamen neue Uniformen.
Besondere Aufmerksamkeit galt im Dienstplan der Wehrertüchtigung. Die Zahl
der Schüler erhöhte sich auf etwa 200. Das alte Amtshaus und in das
für Schulzwecke umgebaute Lehrerwohnhaus, aus dem Jahre 1891 zog die NAPOLA
mit ein.
Erhebliche Einschränkungen brachte der zweite Weltkrieg. Im Laufe der Kriegsjahre
wurden viele Klassen aufgelöst und der Unterricht im August 1944 endgültig
eingestellt.
Im Herbst 1943 etablierte sich der Rüstungsbetrieb Mittelwerke Ilfeld
und nahm die Gebäude der ehemaligen Klosterschule für seine Zwecke
in Anspruch.
Am 13. April 1945 wurde Ilfeld von amerikanischen Truppen besetzt. Nach ihrem
Abzug Ende Juni 1945 rückten sowjetische Einheiten hier ein und verließen
die Anstalt sowie den Ort im Mai 1947.
Die Gesundheitseinrichtung Ilfeld
Nach
der Zerstörung des Stadtkrankenhauses Nordhausen am 3./4. April 1945 wurde
die stationäre Versorgung der Kranken vorübergehend in Behelfsunterkünften
durchgeführt. Dazu zählten einige Hotels und das Haus „Lebenswende“
in Neustadt.
1948 wurde im gesamten Gebäudekomplex der ehemaligen Klosterschule des
Stiftes Ilfeld das Kreiskrankenhaus Nordhausen eingerichtet. Nach anfänglichen
Schwierigkeiten entwickelte sich die Ilfelder Gesundheitseinrichtung zu einem
bekannten Hospital, wobei der Grundstein für eine Intensivmedizin gelegt
wurde.
Anfang 1960 war MR Dr. Dr. Gebhardt ärztlicher Direktor und MR Dr. Wolff
übernahm die chirurgische Abteilung. Am 1. Mai 1982 wurde die Gesundheitseinrichtung
Ilfeld ein selbständiges Krankenhaus als Nachnutzungseinrichtung des neueröffneten
Kreiskrankenhauses in Nordhausen. Als ärztlichen Direktor fungierte OMR
Dr. med. Schmidt.
Am 1. Juni 1986 erhielt die Einrichtung den Status eines Fachkrankenhauses.
Nach umfangreichen Rekonstruktions- und Renovierungsarbeiten gestaltete sich
das Fachkrankenhaus zu einer anerkannten Gesundheitseinrichtung der Inneren
Medizin. Schwerpunkte in der Behandlung sind kardiologische Rehabilitation,
chronische Dialyse und allgemeine innere Krankheiten. Der gesamte diagnostische
und therapeutische Funktionsbereich wurde medizinisch neu ausgerüstet.
Außerdem verfügte das Haus über eine Infektionsabteilung. Im
Oktober 1988 beging das Krankenhaus das 40jährige Bestehen der Einrichtung.
Am 1. Januar 1993 wurde die Neanderklinik Harzwald GmbH gegründet. Nach
tiefgreifenden Rekonstruktionsmaßnahmen ist die Neanderklinik Harzwald
eine moderne Fachklinik für Innere Medizin geworden. Im Haus I befinden
sich eine Rehabilitationsklinik für innere Medizin, eine Sauna und eine
Station für Kurzzeitpflege.
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